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Lehre
KUNSTTHEORIE im Sommersemester 2010
Proseminar
„Man muss in sehr grossen Zeitcomplexen rechnen“
Max Beckmanns Welt-Theater
BA Modul 3.3 und andere Studiengänge
Zeit: Donnerstag, 12:15 Uhr bis 13.45 Uhr
Ort: Akademie für Bildende Künste, Am Taubertsberg 6, Seminarraum
Teilnahme: Ich bitte um Anmeldung über http://www.info.jogustine.uni-mainz.de
Ende Juli 1944. „Ad infinitum zu segeln ohne Fuß – ohne Ziel – welch merkwürdiger Einfall! Welch grausame Fantasie – immer warten, ob sich nun das Geheimnis entschleiern wird und immer mit dummem Gesicht vor dem grauen Vorhang zu sitzen, hinter dem die Geister rumoren oder auch das Nichts. – Welch ein grausamer Einfall ,welch drolliger Witz, sich dies alles auszudenken, und dann dem Probeexemplar die Kritik zu überlassen zu seinem eigenen Wohl oder Wehe. – Glaubst Du an einen Sinn des Rummels, wirst Du selig werden – oh so weit weg – glaubst Du dem Zufall, so ist es Dein Pech. – Du mußt mir aber immerhin zugeben, daß es doch eine Leistung ist, aus dem Nichts ein Vorstellungsgeflecht zu schaffen, was immerhin alles in einer stetig gesteigerten Spannung erhält? ‚Geht aber nur durch ein Versteckspiel Deines Selbst.‘ – Alles um Euch zu unterhalten.“
Seminar
"Der Traum/Schlaf der Vernunft erzeugt Ungeheuer"
Francisco de Goya als erster Künstler der Moderne
Zeit: Montag, 14.15 Uhr bis 15.45 Uhr
Ort: Akademie für Bildende Künste, Am Taubertsberg 6, Seminarraum
„Da der Urheber [der Caprichos] davon überzeugt ist, daß die Kritik der menschlichen Natur und der Laster auch Gegenstand der Malerei sein kann, hat er in seinem Werk dem Sujet angemessene Motive aus der Fülle der Extravaganzen und Fehltritte ausgewählt, die jeder menschlichen Gesellschaft eigen sind. Und unter den Vorurteilen und gemeinen Betrügereien, die durch Sitten, durch Unwissenheit oder durch Interessen geduldet werden, hat er diejenigen ausgewählt, die er für die geeignetsten hielt, um dem Spott Nahrung zu geben und zugleich die Phantasie des Künstlers anzuregen.“
Seminar
„Welch ein sagenhaftes Observatorium, Borges?“
Schönheit der Verwitterung
Zeit: Montag, 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr
Ort: Akademie für Bildende Künste, Am Taubertsberg 6, Seminarraum
„Was meine Augen schauten, war simultan; was ich beschreiben werde, ist sukzessiv, weil die Sprache es ist. […] Ich sah alle Spiegel des Planeten, doch spiegelte mich keiner zurück. […] Ich sah das Aleph aus allen Punkten zugleich, sah im Aleph die Erde und in der Erde abermals das Aleph, sah mein Gesicht und meine Eingeweide, sah dein Gesicht und fühlte Schwindel und weinte, weil meine Augen diesen geheimen und gemutmaßten Gegenstand erschaut hatten, dessen Namen die Menschen in Beschlag nehmen, doch hat ihn kein Mensch je erblickt: das unfaßliche Universum. Ich fühlte unendliche Verehrung, unendliches Bedauern. ‚Wenn du dir auch das Gehirn ausschwitzt: nicht in einem Jahrhundert wirst du mir diese Offenbarung heimzahlen können. Welch ein sagenhaftes Obervatorium, nicht wahr, Borges?‘“
Theorie-Praxis-Seminar
in Zusammenarbeit mit Prof. Thomas Schmidt, Frank Gabriel und Christoph Lahl
Café des artistes
Weiterbau am Luftschloß
Zeit: Mittwoch 10.15 Uhr – 11.45 Uhr vierzehntäglich
sowie weitere Treffen „vor Ort“
Erste Sitzung: 21. April 2010
Weitere Termine: 05.05. / 19.05. / 02.06. / 16.06. / 30.06. / 14.07.
Ort: Akademie für Bildende Künste, Am Taubertsberg 6, Hörsaal
„Da ich nicht mehr neue Luftschlösser in die ziehenden weißen und rosigen Wolken, in das Himmelblau, in den Regenhimmel zu bauen vermochte, so kramte ich unter den Trümmern der versunkenen und paßte aneinander, was auseinandergefallen war, und richtete wieder auf, geradeso in der Einbildung wie vor Jahren, doch leider nicht mehr so fest wie damals. Es war schon lange die Zeit für mich da, wo der Mensch einzig und allein auf den Riegel an seiner Tür als den besten Wächter vor seinen guten Augenblicken, Stunden und Tagen angewiesen ist. Tagen?!... Wer kann, wenn er diese Epoche seines Daseins erreicht hat, den Riegel einen Tag lang vorgeschoben halten, um versunkene Luftschlösser wieder aufzubauen?“ [Wilhelm Raabe: Alte Nester (1880)]
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